Thüringer Allgemeine vom 26. April 2024 (Michael Helbing)
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Achtzehn Termine, achtzehn Orte: Die vierte Saison der Reihe, die am 4. Mai im Sommerpalais Greiz beginnt und am 22. September im Friederikenschlösschen zu Bad Langensalza endet, hat sich neue Gastgeber erschlossen und bringt damit zugleich eine neue musikalische Farbe ins Spiel.
Mit neun Thüringer Schlosskonzerten an acht Orten hatte es 2021 begonnen, damals noch als vom Erfurter Kammermusikverein ausgerichtetes Pilotprojekt. Nur drei Jahre später präsentiert der bald darauf extra dafür neu gegründete Verein „Thüringer Schlosskonzerte“ ein doppelt so umfangreiches Programm, das den Reichtum der hiesigen Landschaft betonen und gleichsam tönen lassen soll: achtzehn Termine, achtzehn Orte.
Die vierte Saison beginnt am 4. Mai im Sommerpalais Greiz, wo das aus Musikern der Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt bestehende Lyra-Quartett zusammen mit Orchesterkollegin Maria Fernanda Hernández an der Oboe „Lieder ohne Worte“ aufführt: ein Titel, der auf eine Beschreibung Mendelssohn-Bartholdys für Werke von Josephine Lang zurückgeht. Und sie endet viereinhalb Monate später, am 22. September, im Friederikenschlösschen zu Bad Langensalza, wo Vereinschefin Claudia Schwarze-Nolte am Cello zusammen mit dem Pianisten Ralph Neubert jenen Mendelssohn ebenso interpretiert wie Schumann und Rachmaninov.
Erstmals private Burgen und Schlösser im Blick
Diese Form der Expansion verdankt sich unter anderem einer dritten Säule, die erstmals zum Tragen kommen wird: War die Reihe bislang ausschließlich bei der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten einerseits sowie in kommunal verantworteten Schlössern und Burgen andererseits zu Gast, so nahm man nunmehr auch Kontakt zur Interessengemeinschaft Private Burgen, Schlösser und Gutsanlagen in Thüringen auf. Vier Konzerte stellen en passant deren Engagement heraus. Es rühre sie an, so Schwarze-Nolte, „wenn sich jemand die Lebensaufgabe stellt, ein Kulturdenkmal nach und nach so weit wie möglich in Schuss zu bringen. Das hat einen großen Wert!“
Dieser dritten Säule verpasst ihr Verein auch gleich mal eine eigene Klangfarbe: Jazz oder auch Tango nämlich. Mit dergleichen tritt das Erfurter Ensemble par-ci, ar-là am 27. Juli auf der Burg Tannroda bei Bad Berka auf, während das wiederum aus den Thüringer Symphonikern hervorgegangene Alberto Travagli Quartett nur einen Tag später im ehemaligen Herrenhaus Schloss Thangelstedt über Jazz-Standards improvisert. Und das Joscho Stephan Trio widmet sich zusammen mit dem Geiger Costel Nitescu am 3. August in der Johanniterburg Kühndorf dem vor 100 Jahren in Paris aufgekommenen Gypsy-Swing. Nur auf Schloss Nimritz geht es am 11. August ganz anders zu, wenn uns das Ensemble Le Concert Allemand um Michael Hochreither, erste Solocellist der Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach, mit Dowland, Morley oder Monteverdi in die Renaissance entführt.
Vier Pfingstkonzerte bei den Thüringer Schlössertagen
Michael Hochreither gehört auch zum Gothaer Spohr-Quartett, das am 23. Juni romantische Kammermusik in den Marmorsaal der Meininger Elisabethenburg bringt. Zuvor ist das Cembalisten-Paar Aleksandra und Alexander Grychtolik am 9. Juni auf Schloss Ehrenstein in Ohrdruf mit Werken Carl Philipp Emmanuel Bachs und Mozarts sowie einer Uraufführung aus eigener Feder zu erleben. Weitere Konzerte bei kommunal verwalteten Einrichtungen finden am 12. Mai in der Creuzburg bei Eisenach, am 20. Juli im Renaissanceschloss Ponitz und am 20. September im Schloss Tenneberg in Waltershausen statt sowie am 21. Juli im Erfurter Haus Dacheröden.
Mit gleich vier Konzerten am langen Pfingstwochenende beglückt die Reihe wiederum die Schlössertage der Thüringer Stiftung: am 17. Mai auf der Veste Heldburg und am 18. Mai im Alten Schloss Dornburg sowie am 19. Mai im Blauen Saal von Schloss Sondershausen und im Schallhaus der Heidecksburg Rudolstadt. Die beiden letzteren können exemplarisch dafür stehen, dass auf den Emporen stets nur wenige Musiker Platz fanden. Schon solcher Historie wegen setzen heutzutage auch die Schlosskonzerte auf Kammermusik, die laut Claudia Schwarze zudem einen guten inneren Ausgleich für Orchestermusiker und eine demokratische Form des Musizierens bedeute: Jeder hat oder vertritt nur eine Stimme, mit der man sich gleichsam auf Augenhöhe miteinander unterhalte. Die Schlösserstiftung ist später übrigens auch noch in der Wilhelmsburg Schmalkalden (2. Juni) und auf Molsdorf (25. August) Gastgeberin der Reihe.