Thüringer Allgemeine vom 07. Mai 2021 (Michael Helbing)
Die neue Reihe will an die vielfältige Residenzkultur des Landes anknüpfen. Der Auftakt ereignet sich im Juli in Schmalkaldens Wilhelmsburg.
Ausgerechnet der Erfurter Kammermusikverein bemüht sich, im zwölften Jahr seines Bestehens, um Thüringer Residenzkultur. Das ist insofern bemerkenswert, als gerade die heutige Landeshauptstadt keine Residenz war, sondern Teil jener Preußengebiete, die der achte Stern im Landeswappen symbolisiert. Doch alle acht werden einem der größten Musikvereine des Freistaates, mit über achtzig Mitgliedern, nunmehr zu Leitsternen für „Thüringer Schlosskonzerte“.
Mit dieser neuen Reihe, so die Initiatorin, Cellistin Claudia Schwarze-Nolte vom Vereinsvorstand, wolle man an die „vielfältige Residenzkultur auf hohem Niveau und mit starker Ausstrahlung“ anknüpfen und die angestrebte Bewerbung um deren Welterbestatus unterstützen.
Fusion mit Sachsen-Anhalt liefert den Anstoß
Den ursprünglichen Anstoß lieferte indes die mit einer Millioneninvestition des Bundes vorangetriebene Fusion mit Sachsen-Anhalt. Gegen die inzwischen gescheiterte Mitteldeutsche Schlösserstiftung opponierten auch die Vereinsmusiker. Man wolle deshalb aber „nicht als reaktionär in die Ecke gestellt werden“, betont Claudia Schwarze-Nolte. Und im Moment sei die Situation ja auch politisch ganz gut.
Das zielt wohl auf die erwartbare Stärkung der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten ab, die man ins Boot holte. Sie stellt ihre Säle mietfrei zur Verfügung. Der eigentliche Plan ist dabei ein Tauschverfahren: Kammermusik-Ensembles verschiedener Residenzen sollen jeweils in anderen auftreten, ab 2022. Einstweilen startet der Erfurter Kammermusikverein vor allem aus eigenen Kräften ein Pilotprojekt für den Acht-Sterne-Zyklus. Die Erfurter Grafikerin Martina Schlenke entwarf dafür ein Plakat, das das Wappen verfremdet. Es holt die winzig kleine Krone vom Löwenkopf herunter und stellt sie riesengroß ins Zentrum.
Nichts fällt aus, es wird allenfalls verlegt
Beginnen wollte man am 12. Juni im Tafelzimmer der Wilhelmsburg Schmalkalden. Da aber die Schlösser auch im kommenden Monat coronabedingt geschlossen bleiben, kann der Verein gleich mal sein Prinzip unter Beweis stellen, das Schwarze-Nolte so beschreibt: „Wir lassen grundsätzlich niemals etwas ausfallen, wir verlegen es allenfalls.“ Das betrifft auch das für eine Woche später angesetzte Konzert auf der Heidecksburg Rudolstadt.
Beim Auftakt in der Wilhelmsburg bleibt es einstweilen gleichwohl, weil dort zwei Konzerte stattfinden. Man will nun am 3. Juli im dortigen Riesensaal beginnen, mit einen „Schumannporträt“. Es folgen: Schloss Molsdorf am 10. Juli, die Schlosskirche Friedenstein am 23. und das Residenzschloss Altenburg am 24. sowie die Heidecksburg am 31. Juli. Nach einer Pause geht es am 3. September in der Wilhelmsburg weiter, am 25. September auf Schloss Sondershausen, in Dornburgs Altem Schloss am 3. Oktober sowie schlussendlich am 15. Oktober im Greizer Sommerpalais. Altenburg gehört zwar nicht zur Stiftung, ist aber der Vollständigkeit halber dabei.
Zuschüsse aus Lottomitteln und von Bundestagsabgeordneten
Aus dem Finanzministerium von Heike Taubert (SPD) gibt’s dafür Lottomittel, Antje Tillmann aus Erfurt organisierte eine Unterstützung durch örtliche CDU-Bundestagsabgeordnete mit je 500 Euro. Tillmann war eigenen Angaben zufolge damals dagegen, dass der Bund eine Stiftungsfusion zur Auflage macht, ihr Kollege Tankred Schipanski (Gotha) hingegen war sehr dafür und sah darin „eine enorme Aufwertung“. Auch so kann sich vielfältige Residenzkultur ausdrücken.